Aktivitäten

Ehrenamt trifft Politik – Herausforderungen im Katastrophenschutz des 21. Jahrhunderts

16.01.2019 15:32

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil zu Besuch beim THW OV Lohne

Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Lohne, des Technischen Hilfswerkes (THW) Lohne und des Malteser Hilfsdienste (MHD) Lohne trafen sich zum Austausch mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Themenschwerpunkt, den sich unser Fachberater Tobias Beckhelling, gleichzeitig auch Vorstandsmitglied in der SPD Lohne erdacht hatte, waren die Herausforderungen, denen sich ehrenamtliche Mitglieder der Feuerwehren und Hilfsorganisationen im 21. Jahrhundert stellen müssen. Eingeladen hatte er hierzu in Absprache mit der OV-Führung in die Räumlichkeiten unseres Ortsverbandes.

Beleuchtet wurde die Freistellungsproblematik bei Einsätzen während der Arbeitszeit. Von Seiten der Feuerwehr wurde ausgeführt, dass von Arbeitgebern durchaus kritischer hinterfragt werden würde, ob ein Arbeitnehmer wirklich für den ein oder anderen Einsatz freigestellt werden müsse. Dieses Phänomen konnte der Ortsbeauftragte Christian Langhorst auch für das THW bestätigen.
Fakt sei, so wurde unsererseits eingebracht, der Arbeitgeber erleide einen Nachteil, auch wenn die entstandenen Lohnkosten erstattet würden. Dem Arbeitgeber entgingen mögliche Erträge, die als Mehrwert mit der Arbeitskraft hätten erzielt werden können.
Völliges Unverständnis wurde seitens unserer Landesbeauftragten Sabine Lackner in diesem Zusammenhang für öffentliche Arbeitgeber geäußert, die sich gegen Freistellungen für Einsätze sträubten, obwohl der Gesetzgeber hier eindeutige Vorgaben mache.

Die Malteser teilten auf Anfrage des Ministerpräsidenten mit, dass auch sie im ländlichen Bereich mittlerweile vermehrt Ziel von Übergriffen werden. Oft ist überhöhter Alkoholgenuss im Spiel.

Unisono beklagt wurde der überbordende Verwaltungsaufwand für Führungskräfte. Aber auch der „normale“ Ehrenamtliche sehe sich immer neuen Qualifikationserfordernissen ausgesetzt, um die Einsatzbereitschaft nach den Regeln der erlassenen Dienstvorschriften zu gewährleisten. Beim THW wird dieses Thema gefühlt von Jahr zu Jahr größer. Allerdings beklagten dies mittlerweile auch die anwesenden Vertreter der Feuerwehren.

Sabine Lackner erwähnte auf Nachfrage des Ministerpräsidenten, dass das THW nach Aussetzung der Wehrpflicht neue Wege zur Nachwuchsgewinnung beschritten hätte. So sei man mittlerweile wesentlich präsenter auf Volksfesten, aber auch in Schulen. Ein Hindernis sei hier, dass die Helferinnen und Helfer des THW für Veranstaltungen an Schulen vom Arbeitgeber nicht freigestellt werden müssen. So werden seitens des Ehrenamtes für solche Tätigkeiten Überstunden abgefeiert oder Urlaub eingereicht.

Die Landesbeauftragte für Bremen/Niedersachsen machte auf eine neue Richtlinie zur Hinterbliebenenversorgung im Land Brandenburg aufmerksam. Hierin werden auch die Helferinnen und Helfer des THW berücksichtigt. Sie wünschte sich eine ähnliche Regelung auch für Niedersachsen. Stephan Weil schmunzelte, als er zu diesem Thema auch gleich eine Lesehilfe, wie er das Papier bezeichnete, überreicht bekam.

Ministerpräsident Stephan Weil bedankte sich für den regen Austausch und bat darum, dass sich die Ehrenamtlichen bei Ihm melden sollten, wenn bürokratische Unsinnigkeiten auffielen und zur Last würden.

Wir bedanken uns bei der SPD Lohne und bei Stephan Weil für die Einladung und die Ausrichtung dieser Veranstaltung in einer angenehm konstruktiven Atmosphäre.

Text: Tobias Beckhelling

Fotos: SPD Lohne - Steinke

Zurück